„Zen ist eine Reise durch das eigene Herz“

Johannes Fischer

Zen-Meister Johannes Fischer

Das Herzstück des Zen-Weges ist das Erwachen zur wahren Wirklichkeit, zur Leerheit des Gegebenen. Der Zen-Weg führt uns nicht aus dem Leben heraus, sondern tief hinein. Er führt durch die Höhen und Abgründe unseres Herzens hindurch und transformiert unser Leben.

Die Früchte sind Freiheit, Frieden, Gelassenheit und Liebe für alle Lebewesen und zur ganzen Schöpfung. Alle Menschen, egal woher sie kommen und welche Weltanschauung sie haben, können diesen Weg gehen. Er beruht auf Übung, Dialog, innerer Transformation und der Entwicklung von Integrität.

Zen entstand ab dem 5. Jahrhundert in China und ist als eigene spirituelle Richtung ab dem 7./8. Jahrhundert greifbar. Die großen spirituellen und philosophischen Einsichten Indiens und Chinas sind Paten des Zens. Sprache, Formen und Verständnis entstammen insbesondere dem Buddhismus, jedoch auch dem Daoismus. Später hat sich Zen in Japan, Korea, Vietnam und anderen Ländern weiter entfaltet. Seit dem 19. Jahrhundert kommt Zen im Westen an und ist ein großes Geschenk des Ostens an den Westen. Zen inkulturiert sich heute in die westliche Kultur, zum Teil im Dialog mit dem Christentum, mit Natur- und Geisteswissenschaften und mit heutiger moderner und postmoderner Kultur.

Der Zen-Weg öffnet den Geist zu seiner ursprünglichen Wirklichkeit. Diese existentiell verstandene Wirklichkeit übersteigt letzten Endes jede Religion und jede spirituelle Form. Der Zen-Weg öffnet mich unmittelbar zu dieser tiefsten und intimsten Dimension.

Damit Erwachen möglich ist und weder in spirituellen Täuschungen noch in Machtmissbrauch endet, sollte sich ein ernsthaft Zen-suchender Mensch einen genügend integren und erwachten Zenmeister oder eine Zenmeisterin zur Begleitung suchen. Genauso wichtig ist eine Sangha (die Gemeinschaft der Zen-Praktizierenden), in der ein freier und lebendiger Geist herrscht. Verdeckte Machtbeziehungen sind Gift für den Zen-Weg und führen nicht zur Freiheit.

Der Zen-Weg lebt von der persönlichen Verbindlichkeit gegenüber der Übung und dem „inneren Meister“. Nur so kann der Weg zur Befreiung und zum Erwachen gegangen werden. Eine Zen-Geschichte aus dem Buch „Mumonkan – Das torlose Tor“ drückt dies aus:

Meister Zuigan pflegte jeden Tag sich selbst zuzurufen: „Meister!“ und zu antworten: „Ja“. Dann rief er erneut: „Ganz wach! Ganz wach!“ und antwortete: „Ja! Ja!“ – „Lass dich nicht von anderen täuschen, an keinem Tag, zu keiner Zeit!“ „Nein! Nein!“ (aus dem Mumonkan, Fall 12)