Lehrer/in-Schüler/in

Es ist möglich, ohne feste/n Lehrer/in Zen zu üben. Möchte jemand jedoch tiefer in Zen eindringen und verbindlicher den Zen-Weg gehen, so ist es ratsam, sich mit Sorgfalt einen autorisierten Zen-Meister oder eine Zen-Meisterin zu suchen. Diese Bindung sollte aus einer inneren und äußeren Freiheit geschehen.

Mirtha Monge, BeziehungSchüler oder Schülerin zu sein heißt auf den Herz-Geist zu hören (das altchinesische Wort xin bedeutet Geist, Herz, Bewusstsein, die wirkliche Mitte des Menschen). Die Dimension des Herz-Geistes verwirklicht sich insbesondere in dem dialogischen Raum mit dem Lehrer. Das Hören ist sowohl ein Hören auf sich selbst und als auch ein Hören auf den Herz-Geist des Lehrers. Es geht dabei nicht um den Lehrer selbst, sondern um den Dharma (die endgültige Wahrheit der Wirklichkeit), der sich mit und durch den Lehrer verwirklicht. Der Suchende geht damit über den Lehrer hinaus, um die wahre Wirklichkeit zu verwirklichen. Es ist ein sich selbst lassen und sich ganz dasein lassen. Es ist ein Öffnen und eine Transformation Der Herz-Geist ist Leerheit und Fülle zugleich – und das Erwachen zu Leerheit und Fülle ist zum Wohle der ganzen Welt.
Ein alter Text drückt dies sehr schön aus:

Eine besondere Weitergabe außerhalb der Lehre,
unabhängig von Schriften,
unmittelbares Zeigen auf des Menschen Herz-Geist,
Schau der innersten Natur und Buddha-Werdung.

Die Schülerschaft wird in einem Ritual ausgedrückt. Damit wird ein gegenseitiger Kontrakt geschlossen. Niemand wird aufgefordert, Schüler oder Schülerin zu werden. Wenn allerdings der Wunsch entsteht, sollte der entsprechende Lehrer oder die Lehrerin angesprochen werden.

Wer Schüler oder Schülerin wird, tritt gleichzeitig in eine Sangha ein. Eine Sangha ist die Schülergruppe, die sich um eine/n Lehrer/in sammelt. Diese Gemeinschaft von Weg-Gefährten ist sehr wichtig. Alle lernen voneinander und die Sangha ist eine wichtige Ergänzung zu der Beziehung zum Lehrer oder der Lehrerin.