Die Zen-Praxis

Mirtha Monge, ZenZazen heißt übersetzt „Sitzen in tiefer Sammlung“. Das ist die Basisübung und den Zen-Weg zu gehen heißt zunächst, diese Übung geduldig und immer wieder neu zu pflegen.
Wir konzentrieren uns auf das „untere Dantian“, das Unterbauchzentrum und synchronisieren den Atem damit. Das Bewusstsein verwickelt sich dabei weder in Wollen, Denken, Urteilen noch in Gefühle oder Phantasien. Stattdessen sitzen wir in einem Zustand von „sati“, hellwacher Geistes-Gegenwärtigkeit, manchmal auch mit ‚Achtsamkeit‘ oder Selbstgewahrsein übersetzt. Der Zenmeister Dogen drückte den Sinn von Zazen sehr schön aus:

„Lernt einen Schritt zurückzutreten, lenkt das Licht eures Selbst nach Innen und lasst es sich dort widerspiegeln. Dann werden Körper und Geist von selbst abfallen, und euer ursprüngliches Gesicht wird sich direkt offenbaren.“ (Fukan Zazengi)

Gesessen wird jeweils 25 Minuten auf dem Sitzkissen, dem Bänkchen oder auf dem Stuhl, je nach Beweglichkeit. Zwischen den stillen Sitzzeiten wird „Kinhin“ (Geh-Mediation) geübt, genauso in Sammlung und Gegenwärtigkeit.

Wer mit Koans (paradoxe Sätze oder Geschichten) üben will, kann dies gerne tun. Die Koan-Übung setzt voraus, dass jemand zu einem stabilen Sitzen in Sammlung und Geistes-Gegenwärtigkeit gefunden hat. Das Sitzen mit Koans ist eine gute Weise, den Geist zu klären, eins damit zu werden und über sich hinauszugehen und die Leerheit des Gegebenen zu verwirklichen. Hören wir noch einmal Dogen:

„Mit dem Buddha-Weg vertraut zu werden bedeutet, mit sich selbst vertraut zu werden. Mit sich selbst vertraut zu werden heißt, sich selbst zu vergessen. Sich selbst zu vergessen heißt, sich selbst wahrzunehmen – in allen Dingen. Dies zu erkennen ist das Abfallen von Körper und Geist, von sich selbst und von anderen“.  (Genjokoan)