Das Alte gilt nicht mehr

In dem Roman „Die Telefonzelle am Ende der Welt“ von Laura Messina steht im Mittelpunkt eine Telefonzelle auf einem Hügel, am Rande des Meeres. Sie hat keinen Anschluss, doch Überlebende eines Tsunami gehen dorthin, um mit ihren verstorbenen Angehörigen zu sprechen. Es entsteht dort ein Raum der Intimität. Der Wind trägt das Gesprochene fort und es ist, als ob der Wind eine Antwort zurückbringt. Über diese Telefonzelle entsteht eine Liebesgeschichte zweier Menschen, die Partner, Kind, Mutter in dem Tsunami verloren haben. Langsam, ganz langsam kommen sie wieder im Leben an und neues Leben entsteht.

Der brutale Angriffskrieg fegt wie ein Tsunami durch die Ukraine, Russland, Europa, die Welt…. Leben werden vernichtet, Wunden tief gerissen. Bisherige Gewissheiten sind fraglich, Modelle über die Wirklichkeit lösen sich auf. Da und dort mag uns Verdrängung und Verleugnung noch zu schützen und auch in diesen Zeiten ist die Versuchung groß, weiterhin der westlichen Dekadenz und Doppelmoral zu frönen oder auf dem Markt der Deutungen halbgar kundzutun, was richtig ist.

Dieser Tage höre ich immer wieder: „alles, woran ich geglaubt habe ist zerbrochen“. Diese Erschütterung, sofern sie echt und gefühlt ist, empfinde ich um vieles ehrlicher. Und ich finde das Bild von der Telefonzelle tröstlich. In den Wind dieser Tage zu hören. Langsam, ganz langsam, doch unaufhörlich. Bis…..

Wird er auch uns zu einem viel tieferen Sinn für die Zusammenhänge des Friedens erwachen lassen? Zu einer “Kultur des Friedens“, die im Großen und im Kleinen heraustritt aus dem „Krieg gegen die Erde“ (Guterrez), den größenwahnsinnigen imperialen Kriegen um Macht und Ressourcen, den Kriegen, die diese gemeinsame Erde neu nach ihren Eigeninteressen vermessen möchten und selbst die Leichen noch verminen. Einer „Kultur des Friedens“, die widerstandsfähig ist und alles dafür tut, um Leben zu schützen und Kriege zu beenden. Einer „Kultur des Friedens“, die in einem inneren Frieden gründet, die Ehrfurcht vor allem Leben hat und das Leben als gemeinsam geteiltes liebt?

Weltklimakonferenz

Im Daodejing Nr. 8 ist zu lesen: „Es ist gut, das Herz tiefgründig zu bewahren; es ist gut, in Worten glaubhaft zu sein; es ist gut, im Tun die Aufgaben zu erfüllen; es ist gut, zum angemessenen Zeitpunkt zu handeln“ 

Momentan tagt in Glasgow die Weltklimakonferenz. Es geht um die Zukunft der Erde. Und es steht nicht gut.  Auch wenn die meisten nicht nach Glasgow fahren, können wir auch von zuhause aus diesen Prozess unterstützen, auch wenn das noch so klein ist: durch Meditation, durch Gespräche, durch unser Verhalten, durch unseren Lebensstil.

Dass ein Netz entstehen, wie das Netz der Indra, in dem alle Perlen verbunden sind und leuchten und ihre Wirksamkeit entfalten.  

Leid

Erschütternd sind diese Tage, erschütternd diese Zeit – das Leid Vieler ist groß. Das Unheilsame ist so greifbar. Das auszuhalten ist schwer. 

Die Übung der „Weisheit des Herzens“ und der „Intelligenz des Herzens“, damit wir da heraus leben, das wünsche ich mir für diese Zeit.

 

Licht in Dunkelheit

„Ein Licht entzündet sich am andern in der Frühlingsnacht „ (Buson).  Dies gibt, dies teilt, dies verbindet, dies bringt Freude ins Leben. Dagegen fühlen sich die aktuellen Geschichten von Gier und Hass und Egoismus fade und armselig an. 

Es ist leicht möglich, sich in Dunkelheiten dieser Tage zu verlieren, doch sobald die Augen aufgehen, dann ist es so wie der Mönch zu Unmon sagt: „Hell strahlendes Licht erleuchtet still das unendliche Weltall…“  

Dies nährt uns gegenseitig und lässt uns eine wirkliche Zukunft suchen.

weit und unendlich

„Die unendliche Weite von Fluss und Himmel ist die unendliche Weite des Herzens“ (K. Tsujimura). Wenn Du eng, abgetrennt, ängstlich oder resigniert wirst, wenn Du beginnst, in Gefühlen und Gedanken um Dich selbst zu kreisen, dann setz Dich auf Dein Sitzkissen oder Bänkchen, sammle Dich wach und lass Dein Herz sich öffnen und weit und unendlich sein.